Klettern

Klettern an heißen Tage: Vöcklabrucker Pfeiler IV+ – Brunnkogel

Klettern im Sommer. Die Tourenwahl ist das A und O, um nicht an einem Grat vor Hitze dahin zu schmelzen. Bergsteigen.com ist meine GoTo Homepage für Klettertouren und relativ schnell war klar: der Vöcklabrucker Pfeiler auf den Brunnkogel eignet sich perfekt für einen heißen Sommertag.

Erstbegangen vor ca. 40 Jahren und frisch saniert im Jahre 2008, die Routenbeschreibung klingt recht vielversprechend. Ein paar Blogeinträge anderer Kletterer verunsichern uns: „Der Zustieg war schöner, als das Klettern..“, „sehr brüchig“, aber man soll sich ja selber seine Meinung bilden.

Einsamer Zustieg mit Gipfelglück auf der Bischofsmütze

Sonntag, 08:30 am Hochleckenparkplatz. Es ist schon ganz schön warm hier in der Sonne.

Der Zustieg führt über die Bischofsmütze und von deren Gipfel kann man bereits den Einstieg der Klettertour sehen. Als Alternative bietet sich auch die Klettertour über den Nordwestgrat auf den Brunnkogel an. Viele Abschnitte sind im Wald, die wenigen Stellen in der Sonne, bringen uns aber schnell ins Schwitzen.

Aussicht nach der 2. SL zur Bischofsmütze und Attersee

Den Einstieg haben wir dann recht schnell gefunden, weil schon eine andere Seilschaft dort kletterbereit war. Die Klettertour hat insgesamt 7 Seillängen und ist mit der Schwierigkeit IV+ bewertet

Klettertour: Klettern schöner als der Zustieg

In der ersten Seillänge geht es unschwierig im 2er und 3er Gelände in Falllinie zum Ersten Stand. Die Bohrhaken muss man auf der ganzen Tour immer etwas suchen, da sie farblich kaum vom Fels zu unterscheiden sind.

Ab der zweiten Seillänge wird dir Tour etwas schwieriger und wir bewegen uns im III. und IV. Schwierigkeitsgrad. Die Hakenabstände werden größer, es befinden sich aber auch immer wieder ein paar alte Schlaghaken – stellt sich nur die Frage, will man sie verwenden? Den letzten vorm Stand hab ich dann genommen, da ich den Stand nicht gesehen habe und mir der Abstand zum letzten Bohrhaken doch etwas zu weit war. Der Puls war da kurz mal relativ hoch. Seilreibung ist in der Seillänge aufgrund der Querung vorhanden.

Blick vom Stand der 2. SL zum Einstieg zurück

Die dritte und vierte Seillänge haben wir zusammengefasst, da sie mit 30 m und 15 m im Topo angegeben war. Seilreibung hält sich in Grenzen, war in der Zweiten Seillänge größer. In der Dritten Seillänge befindet sich auch die Schlüsselstelle IV+ – ein kleiner Bauch. Die Stelle ist gut mit einem Bohrhaken abgesichert und weitergeht’s.

Während der gesamten Tour hat man Aussicht auf den türkisfarbenen Attersee und desto höher man kommt, auch auf den Traunsee samt Traunstein. Einfach herrlich.

Blick vom 2. Stand auf die 3. Seillänge und Schlüsselstelle

Die fünfte Seillänge ist mein ganz klarer Favorit. Die Hakenabstände sind weiterhin alpin, der zweite Bohrhaken versteck sich recht gut und ich hab, als mentale Stütze, einen Friend gelegt. Als ich den zweiten Bohrhacken dann gefunden hab, war der Friend eigentlich überflüssig. Wunderschöne Kletterei, lediglich das Ende war etwas verwirrend für mich, da ich den Stand nicht gleich gefunden hab – hätte mir das Topo vorher gscheid anschauen sollen, da war alles recht klar eingezeichnet. Die Hakenabstände waren recht groß, aber alles ist gebohrt. Als Beruhigung für den Kopf konnte ich den ein oder anderen Friend bzw. Klemmkeil legen. Diese ist mit ca. 50 m auch die längste Seillänge der Tour.

Blick vom 4. Stand auf die wunderschöne 5. Seillänge

Unschwierig geht es danach in der sechsten Seillänge weiter zum Wandbuch. Kurz vorm Wandbuch geht’s ein paar Schritte abwärts. Der Stand ist nicht gebohrt, aber direkt am Felsblock kann mit einer langen Bandschlinge ein Stand gebaut werden oder das vorhandene Seilmaterial genutzt werden.

Ab der Siebten und somit letzten Seillänge geht es unschwierig im 2er Gelände Richtung Gipfel. Diese ist definitiv auch ohne Seil machbar. Den letzten Stand laut Topo konnten wir nicht finden – aber vielleicht sind wir auch einfach ein bisschen zu blind oder zu schnell vorbei, weil der Gipfel schon gerufen hat.

Fast geschafft, kurz vorm Gipfel mit Aussicht auf den Attersee

Die Tour war ein Traum, wir hatten die perfekte Mischung aus Schatten und Sonne an diesem heißen Sommertag. Abgestiegen sind wir dann über den Hochleckenkogel. Somit haben wir an dem Tag so ganz nebenbei 3 Gipfel gesammelt.

Unsere Ausrüstung auf der Tour:

10 Expressschlingen
70 m Seil
3 lange Expressschlingen (optional)
Friends 0,5 / 0,75 / 1 / 2 (optional)
Klemmkeile 5-11 (optional)

Facts zur Tour:

Höhenunterschied: 1.000 hm gesamt, davon 270 hm Klettern
Schwierigkeit: 4+, meisten Stellen 4 oder leichter
Absicherung: die wichtigsten Zwischensicherungen sind vorhanden und gebohrt, wir haben ein paar Friends und Klemmkeile gelegt, die Stände sind mit 2 Bohrhaken ausgestattet (außer nach der 6. und 7. Seillänge – wie oben beschrieben), Fels etwas brüchig (aber nicht so brüchig wie zb. Adlerspitze)

Die Beschreibung, sowie das Topo auf Bergsteigen.com, ist sehr aussagekräftigt.

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