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„La vita é fatta di grandi sogni e piccole realtá.“ – Die Dolomitenüberquerung

Petra kommt aus dem schönen Südtirol und hat erst vor einigen Jahren die Liebe zu den Bergen entdeckt. Uns erzählt sie von ihrer größten bisherigen Bergtour: Die Dolomitenüberquerung.
Danke liebe Petra, dass du mit uns deine Geschichte teilst.

Gemeinsam mit fünf Südtiroler Freunden fasste ich im Frühjahr 2017 den Entschluss, die Dolomiten zu durchqueren. Ziel war es vom Grödner Joch bis nach Belluno, einer norditalienischen Stadt am Fuße der Schiara in Venetien, zu wandern.

Tag 1: (ca. 5 Std./1.031m/6km) Vom Grödner Joch auf den Piz Boé

So trafen wir uns frühmorgens in Bozen, Südtirols Hauptstadt, und nahmen gemeinsam den Bus nach Gröden, hoch hinauf zum Grödner Joch (2121m), am Fuße des Sellastocks. Unmittelbar hinter dem Berghaus Frara beginnt der Weg Nr. 666 und der Dolomitenhöhenweg Nr.2, der uns vorerst über Wiesen und dann über Geröll in das schmale Val Setus führte. Trotz einzelner Drahtseilsicherungen, ist der Weg nicht schwierig. Nach 2 Stunden erreichten wir die Pisciadúhütte (2585m) auf dem ersten Sellaplateau, füllten dort unsere Wasserbeutel auf, verweilten kurz am Pisciadúsee und folgten weiter dem markierten Weg durch Schluchten zur Boéhütte (2871m). Nun galt es den Piz Boé (3152m) zu erstürmen. Auf dem Weg dorthin trafen wir auf viele Touristen, die uns etwas verwirrten, bemerkten dann aber, dass wir nahe der Pordoijbahn waren, die vom Pordoijoch auf die Pordoijhütte (2865m) führt, weshalb der Piz Boé leicht zu besteigen ist. Am Abend kehrte dann trotzdem Ruhe ins Schutzhaus Capanna Fassa, direkt am Piz Boé ein und mit Polenta und Gulasch endete der erste Tag der Dolomitentour.

 

Tag 2: (ca. 5 ½ Std./1.103m/10km) Vom Piz Boé zum Fedaiasee

Am nächsten Morgen galt es früh aufzustehen, um den Sonnenaufgang zu genießen. Ein Gewitter tobte die Nacht hindurch, was den frühen Morgen besonders erfrischend gestaltete.

Nun ging es bergab südwärts über Mondlandschaften auf dem Weg Nr. 627, zuerst bis zur Pordoijhütte (2865m) und weiter bergabwärts über Serpentinen zum Pordoijoch (2242m). Hier beginnt der Weg Nr. 601 oder Dolomitenhöhenweg Nr. 2, der immer weiter auf einem südlichen Bergrücken nach Osten, vorbei am Rifugio Fedarola und Rifugio Viel dal Pan bis zum Fedaiasee führt. Auf diesem Pfad ist der Blick vom Marmolada-Massiv (der einzige Gletscher in den Dolomiten) kaum abzuwenden.

Tag 3: (ca. 5 Std./1065m/19 km) Vom Fedaiasee nach Alleghe

Hier begann eine wenig spannende Tagesetappe. Startend am Fedaiapass geht der Weg über Almen (im Winter Skipisten) abwärts über die Malga Ciapela bis zur Sottogudaschlucht. Hier beginnt eine für den Verkehr gesperrte Straße. Für Geschichtsinteressierte könnte sich diese Schlucht als spannend herausstellen. Diese Straße wurde nämlich im ersten Weltkrieg als Frontzugang erbaut. So stoßt man den Weg entlang immer wieder auf Spuren des großen Krieges. Über den Ort Sottoguda geht es immer weiter, nun meist eben, bis nach Alleghe, einem Fremdenverkehrsort. Hier endete der dritte Tag in einem Hotel, das überraschenderweise eine Sauna zur Entspannung bereitstellte.

Tag 4: (ca. 4 Std./1266m/6 km) von Alleghe zur Tissihütte

Nun mussten wir zwischen zwei Routenvarianten entscheiden. Eine Variante führt von Masaré in ca. 4 Stunden auf die Tissihütte. Diese Variante stellte die größere Herausforderung dar, weshalb wir uns dafür entschieden. Die zweite Variante ist der Weg über die Forcella d‘Alleghe, den man durch Seilbahnfahrten verkürzen kann. Da wir aber die Dolomitentour starteten, mit dem Ziel sich nur von den Füßen tragen zu lassen, wurde die zweite Variante nicht in Erwägung gezogen. So wanderten wir zur Südspitze des Alleghesees und nahmen den Weg Nr. 563 immer steiler hinauf zur Capanna Casamatta (1650m). Über die Forcella Casamatta erreichten wir eine Hochfläche, an deren nördlichen Rand die Tissihütte (2250m), direkt unter dem Civetta-Massiv liegt.

Tag 5: (ca. 6 ½ Std./649m/16 km) Von der Tissihütte zum Passo Duran

 Wir ließen die Tissihütte hinter uns und wanderten Richtung Südwesten, bis wir auf den Dolomitenhöhenweg 1 (Nr. 560) trafen. Wir umrundeten die Cima di Meda, füllten unsere Flaschen beim Rifugio Vazzoler (später gibt es keine Auffüllmöglichkeit mehr!!) und stiegen weiter auf ca. 1524m ab. Dort beginnen Serpentinen und der Weg gewinnt wieder an Höhe. Der Pfad schlängelt sich nun durch Latschen zur Carestiato-Hütte. Von da aus gelangten wir zum Passo Duran (1601m) und übernachteten im Rifugio San Sebastiano. Bei Pasta Faggioli und mit ein paar Überbleibsel eines Alpini-Festes klang der Abend singend alter Gebirgsjäger-Lieder, aus.

Tag 6: (ca. 7 Std./900m/15 km) Vom Passo Duran zum Rifugio Pian de Fontana

Am Passo Duran folgten wir der Autostraße rechts hinunter und erreichten nach einer halben Stunde einen Parkplatz. Links in den Wald hinein beginnt der Weg Nr. 543 bzw. Dolomitenhöhenweg Nr. 1. Nach einem kurzen Aufstieg zur Forcella Dagarai, gelangten wir zur Malga Moschesin (hier sollten Sie wieder unbedingt die Wasserflaschen auffüllen!!) und darauf die Forcella Moschesin. Hier eröffnet sich der Nationalpark der Belluneser Dolomiten, den wir die nächsten zwei Tage durchwanderten. Da dieser in den letzten Eiszeiten nicht vergletschert war, konnten hier andernorts ausgestorbene Pflanzen und Tiere überleben. Wir stiegen auf zu den Gipfelgraten zwischen den Monte Talvena und die Cime di Cittá. Der Weg Nr. 514 führt hinauf zur Forcella la Sud di Van di Cittá (2400m), der höchste Punkt dieser Tagesetappe. Für mich persönlich war dieser Teil der Wanderung landschaftlich unschlagbar. Bei aufsteigendem Nebel dehnt sich eine Stimmung aus, die mit Worten nur schwer zu beschreiben ist. Endlich geht es wieder bergab, leider sehr steil, bis wir nach 7 Stunden, die sich aber voll und ganz auszahlten, den Rifugio Pian de Fontana erreichten.

Tag 7: (ca. 4 Std./930m) Vom Rifugio Pian de Fontana hinunter ins Tal zur Fahrtstraße nach Belluno

Am letzten Tag galt es zu entscheiden: sollten wir die Schiara überschreiten oder ins Tal absteigen. Da wir kein Klettersteig-Set dabei hatten und nicht alle von uns schwindelfrei waren, erübrigte sich die Entscheidung und wir nahmen den Weg Nr. 518 Richtung Bianchet-Hütte. Durch das Val Vescová erreichten wir die Autostraße mit der Haltestelle des Busses Richtung Belluno. Dort wartete ein Hotel auf uns und die Dolomitentour endete auf einer Piazza mit einem kühlen Aperol Spritz und einer hervorragenden Pizza.

 

Autorin: Petra Tauber
Fotografin: Greta Maria Malojer
Kameraden: Christoph Mich, Verena David, Elena Gebhardi.
Literaturquelle: Stefan Lenz, Eva-Maria Troidl, Ludwig Grasser: Traumpfad München-Venedig. Bruckmann Verlag 2016.
Wanderkarte: Tabacco Nr. 15, 25, 24.

 

 

 

Wir drei Mädls – von der Bergsucht geplagt – haben beschlossen unsere Erlebnisse auf Schnee und Fels mit euch zu teilen. Bestimmt ist die ein oder andere interessante Geschichte für euch dabei. Folgt uns auf unseren Abenteuern & lasst euch für eure eignen inspirieren!

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