Reisen,  Skitour

Ein Ausflug in die Walliser Alpen – Eine Geschichte vom Umkehren und Rückkehren

Um meine Geschichte über das Umkehren und Rückkehren in den Walliser Alpen erzählen zu können, vorerst noch die Erklärung warum ich einfach mal „kurz“ ins Wallis fahren kann:

„Willst du nach Genf, die brauchen dich dort bei einem Projekt?“ – „Ähm, lass mich kurz mal googeln …“, <Berge Genf> <wo liegt Genf> <Hausberg Genf> <Aktivitäten Genf> … „Ja, da geh ich definitiv hin“. Jede Entscheidung über meinen Arbeitsort basiert ungefähr auf der selben Google Recherche und Genf hat dabei, neben Norwegen, am besten abgeschnitten.


Relativ schnell war mir klar, dass mein Winter sich heuer in die Superlative verlängern wird, mit dem Mont Blanc Massiv fast vor der Haustür. Leider wurde mir auch schnell bewusst, dass ich eigentlich auch zum Arbeiten hier bin, aber das krieg ich schon alles irgendwie unter einen Hut.

Da es nie leicht ist im alltäglichen Leben Gleichgesinnte, in Sachen Wintersport, kennen zu lernen habe ich meine neue zweite Heimat gleich mal in der Shades of Winter Connects Gruppe (sorry guys, only girls) bekanntgegeben und schon hat sich die ein oder andere gemeldet und eben auch Elodie aus den Walliser Alpen.

Es dauerte nicht lange und der erste freie Sonntag stand vor der Tür. Elodie und ich trafen uns in Martigny, um weiter auf den Grand Saint Bernard Pass zu fahren und schnallten dort auf 1.900 m in Bourg-St-Bernard unsere Ski an. Gestartet wird direkt neben dem Tunnelportal des Grand Saint Bernard Tunnel, welcher nach Italien ins Aosta Tal führt.

Die Tour ist sehr beliebt und so sind wir nicht die ersten und einzigen die um 07.30 vom Parkplatz starten. Es geht gemütlich und mit wenig Steigung in Richtung des Hospiz Grand Saint Bernard, jedoch nach ca. 300 m hält man sich rechts und steigt den Hang hinauf in die Combe de Drône. Hier folgt man nun dem Verlauf der Dranse d’Entremont (Fluss). In der Combe de Drône entdeckt man sofort unendliche Tourenmöglichkeiten von Steilabfahrten über Rinnen und alles andere was das Skifahrerherz höher schlagen lässt. Ganz gemütlich gehen Elodie und ich Schritt für Schritt ohne uns zu stressen, da es heuer ihre erste längere Tour ist.

Die Sonne heizt nun mittlerweile schon richtig runter und es droht aus dem herrlichen Firn der bereits um 10.00 Uhr Vormittag vorherrscht, nasser Sulz zu werden. 600 hm haben wir schon in den Füßen und 450 hm warten noch auf uns. Ich fange an in meinem Kopf zu rechnen und egal wie schnell oder langsam wir in meiner Rechnung gehen, es macht nicht wirklich Sinn weiterzugehen. Zum einen fehlt uns dann der Spaß bei der Abfahrt (welcher uns beiden das wichtigste ist) und zum anderen setzen wir uns einem unnötigen Risiko aus. Also fassen wir den Entschluss umzukehren und auch wenn dies immer die schwierigste Entscheidung ist, war es in unserem Fall die beste. Und der Berg läuft uns ja Gott sei dank nicht weg …

Monts Telliers, die zweite …

Nachdem ich es fast nicht aushalte, den Gipfel eines Berges nicht erklommen zu haben bzw. die Aussicht nicht gesehen zu haben, fahre ich spontan 2 Wochen später nochmal ins Wallis. Genau die gleich Strecke nur diesmal alleine und somit mit gemischten Gefühlen: Ist überhaupt noch genügend Schnee? Alleine ist ja schon immer komisch? Sind noch andere Leute unterwegs?
Ich versuche die Gedanken so gut es ging auszublenden und spätestens als ich die Skischuhe anhatte, war ich nicht mehr zu bremsen.

Hier kann man sich nun entscheiden, ob man entweder den Monts Telliers über die Gouille du Lé (blau) besteigt oder über die Ostflanke (rot). Ich habe mich für die Ostflanke entschieden, da ich bei den Seen schon sehr müde Beine hatte und mir diese Route kürzer vorkam.

Langsam aber sicher steige ich die Ostflanke mit mehreren kurzen Verschnaufpausen hoch. Am Gipfelhang hatte ich noch einen Kampf mit mir und meiner Ausdauer (und leider auch blöden Blasen) zu führen, aber aufgeben war jetzt keine Option. In dem Moment hab ich über mich selber geschimpft, da ich halt kein Fan von Ausdauertraining bin. Genau diese beim Skitouren gehen, aber so wichtig wäre. In Mini-Schritten und mit viel Eigenmotivation kämpfte ich mich zum Gipfel rauf. Die letzten Meter dann per Fuß und dann auf einmal, wenn man da oben steht sind all die Strapazen vom Aufstieg auf einmal vergessen (und ich denk mir: könnt gleich nochmal raufgehen :D). Ein atemberaubender Ausblick nach Frankreich und Italien wird einem am Gipfel des Monts Telliers geboten. Auch der Mont Blancs blitzt kurz durch die Wolken hindurch.

Ihr kennt das bestimmt auch, dass ihr euch manchmal fragt, warum ihr gewissen Sachen macht? So geht es mir in solchen Momenten wie oben beschrieben, wo mir einfach die Kraft ausgeht und alles sch**** ist, aber spätestens dann, wenn ich eine lässige Abfahrt vor mir hab oder eine herrliche Aussicht ist es das alles wert. Und ich bin dann immer umso stolzer wenn ich etwas durchgezogen habe und nicht aufgrund von fehlender Ausdauer aufgeben musste.

Einfach ein unbeschreibliches Gefühl nach einer solchen Anstrengung mit so etwas belohnt zu werden. Ich stehe am Gipfel und komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ein Einheimischer nennt mir die Namen der umliegenden Gipfel (alles vergessen: da französisch bzw. italienisch). Ich bemerke schnell, da hab ich noch viele Projekte zu erledigen.

Für die Abfahrt entscheide ich mich für den anderen Gipfelkamm und nicht die Ostflanke, da dieser etwas steiler ist. Der Schnee ist leider schon sehr weich, aber trotzdem genieße ich die Zeit auf den Skiern. Wer weiß wie viele Tage ich davon diese Saison noch haben werde …

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